Kuratorium
"Katalogisierung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Handschriften der Schweiz"
Jahresbericht 2009
Wissenschaftliche Tätigkeit
Im Frühjahr erschien der um die übrigen Aargauer Handschriften erweiterte Wettinger Handschriftenkatalog:
Katalog der mittelalterlichen Handschriften des Klosters Wettingen. Katalog der Mittelalterlichen Handschriften in Aarau, Laufenburg, Lenzburg, Rheinfelden und Zofingen, hrsg. von Charlotte Bretscher und Rudolf Gamper, Dietikon-Zürich: Urs Graf Verlag, 272 S., zahlr. Abbildungen, ISBN 3-85951-271-9, CHF 148,- / € 100.-.
Nach dem Erscheinen des Katalogs berichteten Charlotte Bretscher und Rudolf Gamper am 23. September anlässlich der Jahresversammlung des Gönnervereins „Freunde der Stadtbibliothek Zofingen" dem zahlreich anwesenden Publikum von der Katalogisierungsarbeit und stellten die zwei herausragenden Handschriften der Zofinger Bibliothek vor. Die neu erarbeiteten Handschriftenbeschreibungen dienten auch als Grundlage der Präsentation der beiden Handschriften in den e-codices, die gerade rechtzeitig für diesen Anlass online zugänglich gemacht wurden (http://www.e-codices.unifr.ch/de).
Ein kürzere Präsentation fand am 6. November im Beisein des Abtes von Wettingen-Mehrerau im Kloster Wettingen an der gut besuchten Jahresversammlung der „Freunde des Klosters Wettingen" statt. Dieser Verein hat das Katalogsprojekt von Anfang an finanziell unterstützt.
Am neuen Projekt, der Erschliessung der Handschriften des Zisterzienserklosters St. Urban in der Zentral- und Universitätsbibliothek Luzern, arbeiten seit April 2008 Dr. Charlotte Bretscher und Dr. Mikkel Mangold mit je 40% und unser Kollege Peter Kamber lic. phil., mit 20%. Im Berichtsjahr wurden 19 mittelalterliche Handschriften bearbeitet, insgesamt liegen nun die Beschreibungen von vierzig Handschriften vor.
Die Katalogisate stammen schwerpunktmässig aus dem 13./14. Jahrhundert und umfassen zur Hauptsache Liturgica. Von den neun Antiphonaren sind sieben in St. Urban entstanden oder waren hier spätestens seit dem 14. Jahrhundert in Gebrauch; sie wurden bis ins 18. Jahrhundert verwendet, immer wieder ergänzt und korrigiert, z.T. parallel von den gleichen Händen, so dass sie ein interessantes Zeugnis für den liturgischen Wandel bilden. Bemerkenswert ist auch das Brevier P 5 4°, das 1420 vom Abt Heinrich Hauptring und vom Prior Heinrich geschrieben wurde. Handschriftenbeziehungen können zu den Klöstern Frienisberg, Wettingen, Lützel und Bebenhausen nachgewiesen werden. Zwei sicher von auswärts stammende Breviere sind mit reichem Buchschmuck ausgestattet (P 4 4° und P 13 4°).
Anfang April begann das neue Projekt, die Erschliessung der Handschriften des Zisterzienserklosters St. Urban in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, wo Arbeitsplätze mit einer guten Infrastruktur bereitgestellt worden waren. Anstelle des aus dem Projekt ausgeschiedenen Rudolf Gamper traten Dr. Mikkel Mangold mit 40% und unser Kollege Peter Kamber, Leiter der Sondersammlungen in Luzern, mit 20% ins Katalogisatoren-Team ein, das von Charlotte Bretscher (40%) geleitet wird. Nach kurzer Einarbeitungszeit konnten die Mitarbeitenden erfreulich rasch das gewohnte „Plan-Soll“ gemäss DFG-Norm erreichen. Ende des Jahres lagen die Beschreibungen von bereits 21 mittelalterlichen Handschriften vor; zwölf stammen aus dem 12./13. Jahrhundert, neun aus dem Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert).
Öffentlichkeitsarbeit
Der Internet-Auftritt des Kuratoriums www.codices.chwurde in seinen verschiedenen Bereichen wie Neuerscheinungen, Handschriftenkunde, Ausstellungen und Vorträge laufend aktualisiert. Dafür war eine Arbeitsgruppe zuständig, dfer Patrick Andrist als Webmaster, Charlotte Bretscher, Ruedi Gamper, Romain Jurot, Martin Steinmann und Ernst Tremp angehören und die sich zu einer Sitzung am 27. Januar in Olten getroffen hat. Die Besucherzahlen unserer Homepage (Visites) erfuhren auch im Berichtsjahr eine erfreuliche Zunahme: Von 38'310 Besuchen im Vorjahr stieg die Zahl auf 42'601 (+ 11,2%). Spitzenmonat war der Oktober mit 4’856 Besuchen.
Administration
Das Kuratorium hielt seine Jahresversammlung am 12. Mai in der Burgerbibliothek Bern ab. Neben den ordentlichen Traktanda befasste es sich eingehend mit der elektronischen Handschriftenaufbereitung in der Schweiz und insbesondere mit der Zusammenarbeit mit dem Digitalisierungsunternehmen e-codices und dem Digitalisierungs-Kuratorium der SAGW. Zu diesem Zweck wurde die Durchführung einer „Table ronde“ aller am Thema Beteiligten ins Auge gefasst; diese sollte zunächst im November stattfinden, wurde dann aber auf das Frühjahr 2010 verschoben, um für die Vorbereitung genügend Zeit zu haben.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit den Mitarbeitenden und einigen ehemaligen Mitgliedern im Zunfthaus „Zum Goldenen Schlüssel“ führte die Germanistin Dr. Kathrin Chlench durch die Ausstellung „Schachzabel, Edelstein und der Graal. Spätmittelalterliche Handschriften der Burgerbibliothek Bern“, und zum Abschluss der Tagung zeigte unser Kollege Patrick Andrist im Lesesaal der Burgerbibliothek einige deutschsprachige Originale.
Förderkreis
Unser kleiner Förderkreis umfasst etwa 130 Adressen. Die von diesen Gönnern gespendeten freiwilligen Beiträge zur Unterstützung der Handschriftenerschliessung in der Schweiz werden von der Akademie verwaltet. Das Kuratorium konnte damit die laufenden Kosten der Internetseite www.codices.ch und kleinere Ausgaben der Katalogisatoren für ihre Arbeit finanzieren. Mit einem grösseren Betrag subventionierte das Kuratorium die Drucklegung des Handschriftenkatalogs Wettingen und bereicherte damit die Ausstattung des Bandes mit farbigen Abbildungen. Dank unseren Gönnern konnten wir auch die internationale Tagung „Der Aufbau der Seite in mittelalterlichen Handschriften: Planung und Herstellungstechnik“, die durch die Initiative von Dr. Patrick Andrist am 25. Januar 2010 an der Burgerbibliothek Bern stattfand, mit einem finanziellen Beitrag unterstützen.
Ernst Tremp, Präsident
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