Katalog der mittelalterlichen Handschriften
der Stiftsbibliothek St. Gallen Band 3

Abt. V, Juridica (Codices 670-749)

Bearbeitende: Philipp Lenz und Stefania Ortelli

Laufzeit: 2005-2010.

Umfang und Inhalt: Die über tausend mittelalterlichen Handschriften (davon rund 450 früh- und hochmittelalterliche Pergamenthandschriften) bilden den ältesten und bedeutendsten Fundus mittelalterlicher Handschriften der Schweiz. Dazu zählen viele herausragende liturgische, sprachliche, musikalische, literarische Denkmäler der europäischen Kulturgeschichte. Die Handschriften sind mikroverfilmt. Ein Projekt zur digitalen Erschliessung wichtigster Handschriften, die im Internet zur Verfügung stehen ("Codices electronici Sangallenses" CESG / www.cesg.unifr.ch) ist im Frühjahr 2005 angelaufen und wird regelmässig mit neuen Codices ergänzt (Stand April 2007: 131 Codices); eine CD der Nibelungenhandschrift Cod. 857 erschien 2003.

Geschichte: Die Stiftsbibliothek St.Gallen ist eine der ältesten noch bestehenden Bibliotheken der Welt und die einzige am ursprünglichen Ort bewahrte grosse Klosterbibliothek des Mittelalters. Ihre Anfänge reichen ins 8. Jahrhundert zurück, aus der kulturellen Blütezeit vom 9. bis zum 11. Jahrhundert sind mehrere hundert Handschriften erhalten. Durch den Besuch italienischer Frühhumanisten im Umfeld des Konstanzer Konzils erlitt die Bibliothek einige Verluste an Klassiker-Handschriften. Unter den Äbten Ulrich Rösch, Franz Gaisberg und Diethelm Blarer im 15./16. Jahrhundert blühte die Buchkunst wieder auf, und es wurden Büchersammlungen von Gelehrten wie Gall Kemli († um 1481) und Matthias Bürer († 1485) erworben. Einen letzten bedeutenden Zuwachs an mittelalterlichen Handschriften erfuhr die Bibliothek unter Abt Beda Angehrn, der 1768 die Handschriften aus dem Nachlass des Glarner Humanisten und Geschichtsschreibers Aegidius Tschudi († 1572) erwarb. 1782 tauschte der Bibliothekar Johann Nepomuk Hauntinger aus sanktgallischen Frauenklöstern spätmittelalterliche Gebet- und Betrachtungsbüchlein gegen moderne Drucke ein.

Projektziel: Beschreibung der Handschriften und ihres Buchschmuckes gemäss leicht adaptierten DFG-Richtlinien; Publikation von gedruckten Katalogen.
Zur Zeit wird die Abt. V, Juridica (Cod. 670-749) bearbeitet.

Die ersten zwei Bände (bearbeitet von Beat Matthias von Scarpatetti) wurden bereits abgeschlossen: Der Katalog der Abt. IV, Hagiographica, Historica, Geographica (Cod. 547-669) ist 2003 als Band 1 des neuen Katalogs erschienen. Band 2, umfassend die Abt. III/2, Gebets- und Andachtbücher (Cod. 450-546), befindet sich im Druck und erscheint 2007.

Literatur:
- Scherrer, Gustav: Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Halle 1875.
- Bruckner, Albert: Scriptoria medii aevi Helvetica, Bd. 1, Genf 1935, S. 88-94, Bd. 2, Genf 1936, S. 53-82, Bd. 3, Genf 1938, S. 55-123.
- von Scarpatetti, Beat: Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen. Beschreibendes Verzeichnis, Codices 1726-1984, St. Gallen 1983.
- von Scarpatetti, Beat e.a.: Katalog der datierten Handschriften in der Schweiz, Bd. 3, Dietikon/Zürich 1991, Nr. 59-286, 742-778, 826-869, 902-911.
- von Scarpatetti, Beat: Das St. Galler Scriptorium, in: Das Kloster St. Gallen im Mittelalter. Die kulturelle Blüte vom 8. bis zum 12. Jh., Darmstadt 1999, S. 31-67.
- Schmuki, Karl / Ochsenbein, Peter / Dora, Cornel: Cimelia Sangallensia. Hundert Kostbarkeiten aus der Stiftsbibliothek St. Gallen, St. Gallen 2000.
- von Scarpatetti, Beat: Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen. Band 1, Abt. IV, Hagiographica, Historica, Geographica (Cod. 547-669), Wiesbaden 2003.
- Tremp, Ernst / Huber, Johannes / Schmuki, Karl: Stiftsbibliothek St.Gallen. Ein Rundgang durch Geschichte, Räumlichkeiten und Sammlungen, St.Gallen 2003.