Katalog der mittelalterlichen Handschriften des Zisterzienserklosters St. Urban in der Zentral- und Universitätsbibliothek Luzern und im Staatsarchiv Luzern

Bearbeitende: Charlotte Bretscher Gisiger - Peter Kamber - Mikkel Mangold

Laufzeit: 2008–2011

Umfang und Inhalt: Rund 70 mittelalterliche Handschriften, Entstehungszeit: um 1150 bis kurz nach 1500; wenige Fragmente. Liturgica (Antiphonare, Graduale, Breviere), Bibeln, zisterziensische Ordensliteratur, hagiographische, kanonistische, philosophische und historische Werke. Über 10 illuminierte Handschriften.

Geschichte: Das Zisterzienserkloster St. Urban ist 1194 gegründet worden, der erste Abt und der Gründungskonvent stammten aus dem elsässischen Kloster Lützel. Nachricht eigener Schreibertätigkeit in St. Urban gibt ein Schreibervermerk in der Handschrift P 6 fol. aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, der die von den Mönchen Rudolf und Ulrich geschriebenen Werke verzeichnet. Im Spätmittelalter schädigten sowohl der Einfall der Gugler wie die Sempacherkriege die Bibliothek von St. Urban, und ein Klosterbrand im Jahr 1513 vernichtete weitere Bücher. Die damals verbrannten Bücher verzeichnete Abt Sebastian Seemann (1535–1551) in einer Liste. Es ist anzunehmen, dass im 16. und 17. Jahrhundert eine Reihe von mittelalterlichen, aus schweizerischen, süddeutschen und elsässischen Klöstern und Schreiberwerkstätten stammenden Handschriften nach St. Urban gelangten, sei es durch Kauf oder als Geschenk. Das Kloster wurde nach dem Sonderbundskrieg 1848 aufgehoben und die Handschriften, Inkunabeln und Drucke umfassende Bibliothek in die Kantonsbibliothek Luzern verbracht, insgesamt rund 20'000 Bände. Die Handschriften sind grösstenteils mikroverfilmt und zwei (P 15 fol., P 19 fol.) sind in digitalisierter Form in e-codices.ch einsehbar.

Projektziel: : Beschreibung der Handschriften und ihres Buchschmuckes nach DFG-Richtlinien; Publikation eines gedruckten Katalogs.

Literatur:
SCHMID, Josef (Hrsg.), Schöne Miniaturen aus Handschriften der Kantonsbibliothek Luzern, Luzern 1941;
REINLE, Adolf, Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Bd. 5: Das Amt Willisau mit St. Urban, Basel 1959;
BRUCKNER, Albert, Scriptoria medii aevi Helvetica, Bd. 9, Genf 1964, S. 75–96;
VON SCARPATETTI, Beat M. u.a.: Katalog der datierten Handschriften in der Schweiz, Bd. 2, Dietikon-Zürich 1991, Nr. 450, 451, 453, 455–458, 462, 576–578, 618;
KAMBER, Peter, Die Bibliothek der Zisterzienserabtei St. Urban von 1194 bis heute, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 110 (1999), S. 73–97;
JANNER, Sara / JUROT, Romain / WEBER, Dorothea, Handschriftliche Überlieferung der Werke des heiligen Augustinus, Bd. IX/1–2, Wien 2001, S. 15f. (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte, Bd. 688).